29Okt

Wanderfreund für Ehrenamt gesucht

Lange spielte sich das Leben im Café Insel, dem Tageszentrum für Menschen mit seelischen Problemen, im Freien ab. Hinter dem Jugendstilhaus in der Luitpoldstrasse…

Lange spielte sich das Leben im Café Insel, dem Tageszentrum für Menschen mit seelischen Problemen, im Freien ab. Hinter dem Jugendstilhaus in der Luitpoldstrasse liegt ein Hof, der sich für Begegnungen, kleine Gruppenangebote und Gespräche mit Sicherheitsabstand eignet. Seit Anfang Oktober stehen Besuchern auch im Haus wieder die Räume offen. Von den aktuellen Lockdown-Beschränkungen ist das Tageszentrum, wie auch andere soziale Einrichtungen, ausgenommen. Mit allen gebotenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen können sich jeweils einige Besucher im offenen Café-Bereich treffen. Kleinere Gruppen, wie die Handarbeitsgruppe von Anke D. treffen sich ebenfalls wieder zum Stricken, Häkeln oder Sticken.

Die Corona-Maßnahmen haben erst einmal viel durcheinandergebracht und erschwert, sind sich Genesungsbegleiter Ludwig K. und die Sozialpädagogin Corinne Voss einig. „Damit müssen wir leben“, seufzt Ludwig K. Im Oktober ist er regelmäßig mit wenigen Spielern zum Boccia spielen in den Stadtpark gegangen. Da „wurden die Kugeln nach jeder Runde desinfiziert“, erläutert er und „manchmal musste ich die Spieler ermahnen Abstand zu halten“. Die seien halt „manchmal etwas locker mit den Vorgaben umgegangen.“ Keine Probleme hat dagegen Anke D. mit den Teilnehmern ihres zweiten Kurses. Mit ihnen geht sie einmal in der Woche spazieren. „Wir laufen alle mit großem Abstand“, da müsse man halt etwas lauter reden, „wenn man sich unterhalten will“.

„Besonders gern“, weist Voss auf eine Lücke im Angebot des Tageszentrums hin, „würden wir wieder Waldwanderungen anbieten“. „Wenn möglich schon ab Dezember“, meint sie mit Blick auf die aktuelle Situation. Bewegung zwischen Bäumen käme in besonderer Weise Menschen mit Depressionen zu gute. „Uns fehlen aber Ehrenamtliche“, bedauert die engagierte Sozialpädagogin. Es müsste jemand sein, der keiner Risikogruppe angehört, erläutert sie, „und jeweils am letzten Sonntag im Monat für unsere Besucher eine Wanderung organisieren kann.“

Angst vor einem kompletten Lockdown haben sie keine. „Jetzt sind wir viel besser vorbereitet“, zeigt Voss die Möglichkeiten telefonischer Beratungsarbeit und „Essen to Go“ auf. Mit diesen neuen Formen sind bereits im Frühjahr die Betreuung und Kontakte zu den Besuchern sichergestellt worden. Manchmal allerdings ist Anke D., die als Besuchersprecherin auch für andere im Tageszentrum das ist, unsicher und hofft „inständig, dass das Tageszentrum weiterbestehen bleibt“. Denn ihrer Meinung nach „kann es Menschen wie mich nach einem Klinikaufenthalt optimal auffangen“.

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