26Jan

Leidenschaftlich, laut und öko – der Schuldnerberater Dr. Lack

In der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt

In der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, tönt die Türglocke der Diakonie mehrmals am Tag und Menschen zwischen 20 und über 60 Jahre fragen nach „Dr. Lack?“ Bei verschuldeten Menschen aus der Stadt und dem Landkreis ist der schlanke Volkswirt mit der lauten Stimme eine feste Größe. Zu ihm kommen sie, wenn sie nicht mehr ein und aus wissen vor lauter Mahnbescheiden, Forderungen und Pfändungsandrohungen. Oft wissen sie gar nicht mehr wie viele Schulden oder Gläubiger es sind, die sie nicht bedienen können. Dann beginnt ein häufig langwieriger Prozess um Forderungen auszusetzen, die Höhe zu reduzieren, Rückzahlungsmodalitäten zu vereinbaren, Prioritäten festzustellen und das „Abstottern“ zu begleiten. Bis manchmal nach Jahren mit einem erlösenden „schuldenfrei“ der Aktenordner geschlossen werden kann. Auch das manchmal nur vorübergehend.

Wie vielen Menschen Dr. Lack in den 33 Jahren bei der Diakonie geholfen und wie viele „Fälle“ er bearbeitet hat, kann er selbst nur schätzen. Viele hunderte, vermutlich ein paar tausend sind es sicher gewesen. Jetzt ist der Schuldnerberater dabei die letzten Fälle abzuschließen. Neue nimmt er nicht mehr an, laufende Geschichten übergibt er nach und nach an seine Kollegin, die Insolvenzberaterin Evi Kolbe-Stockert. Am 1.  März geht Dr. Ernst Lack in Rente. Ein herkömmlicher Ruhestand wird es für den bekennenden Vegetarier und leidenschaftlichen Gerechtigkeitsverfechter wohl nicht werden. Seit 1986 hat er sich beinahe täglich Geschichten von Menschen angehört, denen der Strom gesperrt worden ist, weil sie die Abschläge nicht mehr zahlen können. Die mit Schuhkartons voller Mahnungen, Kündigungen und Vollstreckungsbescheiden - oft ungeöffnet - bei ihm im Büro standen. Die Arbeit, Partner*in und Freunde verloren hatten, weil sie sich schämen oder diese nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollten. Waren es in den Anfangsjahren häufig Kreditverträge, sind es heute oft Handyverträge, die vor allem bei jungen Menschen in die Verschuldung führen. Ein 23-Jähriger etwa kam mit fast 30000 Euro Schulden in die Beratung, die er bei 18 Gläubigern abzustottern hatte. Das alles ist für den 65-Jähriger in Kürze selbst Geschichte. Dann kann er sich verstärkt seinen Katzen widmen, in Ruhe liegen gelassenes Holz für die Heizung im Haus aus dem Wald ziehen und lange Spaziergänge bei jedem Wetter unternehmen.

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